
Spontan l�dt er uns zu sich ein, er wusste zu diesem
Zeitpunkt noch nicht, dass wir etwas l�nger bleiben mussten.
Am Wochenende unternehmen wir gemeinsam mit einigen Motorradfahrern
einen Ausflug nach Villa de Leyva. Auf dieser sch�nen Tour springt der
Kilometerz�hler von Ralfs T�n�r� wieder auf "Null", eine gute Leistung.
Leider kracht es im Motor meiner T�n�r�. Zum Gl�ck auf dem R�ckweg und
kurz vor Rubens Haus. Wir lassen das Motorrad �ber Nacht bei einem
Freund stehen und k�mmern uns am n�chsten Morgen um das Problem. Beim
Yamaha H�ndler �ffnen sie den Motor und es stellt sich heraus, dass die
Hauptgetriebewelle "einfach" durchgebrochen ist. Alle Beteiligten
staunen nicht schlecht als sie das sehen.
Ersatzteile gibt es in Kolumbien nicht, daf�r will man uns welche drehen,
was aber letztendlich fast genau so teuer gewesen w�re wie die
Ersatzteile aus Deutschland zu ordern. Unser Freund Dirk Erker (Do It)
besorgt die Teile und schickt sie mit DHL unverz�glich nach Bogota.
Nat�rlich gab er einen geringeren Wert an, damit wir nicht so viel
Einfuhrzoll, immerhin 30%, zahlen m�ssen. Es waren nun 3 Wochen
vergangen in denen wir uns an die H�he von 2.600 m und das ruhige Leben
in Rubens Haus gew�hnt haben.
Meine T�n�r� sollte nun endlich fertig sein, wie versprochen m�ssen wir
nichts, au�er dem neuen �lfilter, bei Incolmotos, bezahlen. Ein wirklich
zuvorkommender und nicht selbstverst�ndlicher Kundenservice von Yamaha
f�r 13 Jahre alte T�n�r�s.
So haben wir, durch dieses Missgeschick, enorme positive Erfahrungen in
Bogota sammeln d�rfen, die wir niemals vergessen werden! Rubens Haus
stand uns die ganzen 4 Wochen zur freien Verf�gung, wo erlebt man so
etwas schon noch? Der Abschied f�llt nach dem gemeinsamen Essen mit
Rubens Eltern zum Muttertag besonders schwer, aber Feuerland ruft uns.
Laguna
Quilotoa, Ecuador - 28. Mai 1999
Wir verlassen Quito auf einer autobahn�hnlichen Umgehungsstra�e, doch
als wir auf der Panamericana sind, wird diese schlagartig schlechter. Es
reiht sich Schlagloch an Schlagloch, allerdings wollen wir der ber�hmten
Stra�e sowieso nicht lange folgen und so nehmen wir, wie so oft, eine
der kleinen Nebentrassen ins Visier. Nat�rlich nicht ohne vorher
vollgetankt zu haben. Auf Kopfsteinpflaster schl�ngeln wir uns durch die
kleinen D�rfer und Eukalyptusw�lder. Die umliegenden Vulkane k�nnen wir
hinter Wolken leider nur erahnen, doch wir sind schon froh, dass es
nicht regnet, denn der nun zur Erdpiste gewordene Weg w�re ungleich
schwieriger zu befahren. Wir erklimmen die sanft geschwungenen Berge und
haben von hier oben eine beeindruckende Aussicht auf die
wolkenverhangenen T�ler der Anden. Die Pf�tzen, Wassergr�ben und
Erdrutsche zeigen an, dass es hier vor nicht allzu langer Zeit st�rker
geregnet haben muss. Hinter Chugchilan kommen uns zwei Autos und einige
Indigenas entgegen. Sie winken aufgeregt und machen uns begreiflich,
dass es "da hinten" nicht mehr weitergehe. Ich habe keine Lust die 150
Kilometer wieder zur�ckzufahren und so wollen wir uns erst mal anschauen,
was es denn da so gibt. Tats�chlich stehen wir vor einem nicht zu
untersch�tzendem Hindernis: Ein Erdrutsch hat die komplette Stra�e
blockiert und teilweise weggerissen. Der erste Eindruck ist nicht so
klasse und wir tendieren zum Umkehren. Wir stellen die T�n�r�s an den
Pistenrand um die Lage n�her zu betrachten. Der Erdrutsch ist noch ganz
frisch und besteht zum gr��ten Teil aus weichen Erdbrocken, also
beginnen wir nach kurzem Abw�gen einen Pfad f�r die Motorr�der zu
schaffen. Wir bef�rdern die gro�en Brocken in die Schlucht und ebnen uns
somit einen schmalen Weg �ber die Lawine. Als wir das erste Motorrad
hin�berbugsieren wollen, bleibe ich mit meiner T�n�r� direkt im Schlamm
h�ngen, zu steil geht es dort hinauf. Eva schiebt von hinten und bekommt
die volle Ladung einer Schlammfont�ne mit. Wie bestellt tauchen
pl�tzlich einige M�nner auf und packen sofort mit an, mit dieser Hilfe
haben wir das Hindernis bald hinter uns. Mit Evas T�n�r� grabe ich mich
noch tiefer ein, doch Eva und die M�nner geben ihr bestes, ziehen und
dr�cken mich wieder heraus, geschafft! Auf der anderen Seite kommt
gerade ein Bus an, der wird wohl noch etwas l�nger warten m�ssen. Wir
sind froh, dieses Problem gemeistert zu haben und bedanken uns bei den
netten und hilfsbereiten Indigenas.
Wir erreichen noch unser Tagesziel, die Laguna Quilotoa. Hier befinden
wir uns auf 3.800 m und es weht ein heftiger eiskalter Wind, der auch
noch Schnee mit sich bringt. Von weitem k�nnen wir schon den Ort
erkennen, der aus 5 H�usern besteht, in dem wir auch eine Unterkunft f�r
uns finden. Die Motorr�der schieben wir mit in unseren �bernachtungsraum,
neben die Strohbetten. Humberto, unser Gastgeber ist zudem noch K�nstler
und stellt sch�ne Masken und kleine Bilder her, die hin und wieder in
die H�nde kaufkr�ftiger Touristen gelangen. Nat�rlich k�nnen auch wir
nicht widerstehen und legen einige Sucres extra auf den Tisch. Mit den
drei Kleinkindern und der Frau unseres Gastgebers schl�rfen wir dann in
der simplen aber warmen K�che eine hei�e Suppe. Nach dem Essen wird dann
das Hausschwein gef�ttert, welches schon hungrig vor der T�r quiekt. Das
Angebot der drei Kanadier, die im Nebenhaus untergekommen sind, sich an
ihren Kamin aufzuw�rmen, k�nnen wir nicht ausschlagen und so haben wir
am Abend noch etwas nette Gesellschaft. Doch die Nacht verbringen wir in
unserer H�tte neben unseren lieben T�n�r�s.
Salar
de Uyuni, Bolivien - 07. August 1999
Es geht immer weiter s�dlich durch die unendliche Weite auf der Routa
40 in der patagonischen Pampa. Die Schotterpiste ist gar nicht so
schlecht, dennoch m�ssen wir st�ndig aufpassen in der richtigen Spur zu
bleiben. Der stetig b�ig st�rmende Wind erschwert allerdings unser
Unterfangen ungemein. In Rio Onie, einer Ruine, finden wir etwas Schutz
vor dem Wind und kontrollieren den �lstand an unseren T�n�r�s. Hier
entschlie�en wir uns noch bis Tres Lagos zu fahren, falls wir die
restlichen 300 Kilometer Piste noch schaffen sollten. Doch nichts kann
uns aufhalten. Immer wieder peitscht der Wind neue Wolken von den Anden
her�ber, die sich in Form von Schnee und Hagel �ber uns ergie�en. Die
Sonne ist den ganzen Tag nicht zu sehen. Es macht uns keine gro�e Freude
die Kilometer so runterzuspulen, aber wir k�nnen dieser trostlosen
Landschaft nicht viel abgewinnen. Hin und wieder weist ein knorriges
Schild zu einer einsamen Estancia. Wie es diese Menschen in dieser
kargen Gegend nur so aushalten geht mir so manches mal durch den Kopf.
Wir h�tten gerne mal einen Abstecher zu einer Estancia unternommen, aber
das Wetter treibt uns weiter, denn uns ist ziemlich ungem�tlich zumute.
Nur noch einmal halten wir an, da Eva Magenschmerzen von ihrem
Antibiotikum bekommen hat. W�hrend wir an den �pfeln nagen, wirft eine
Windb�e fast die Motorr�der um, schleunigst fahren wir weiter. Die
Gegend ist so unwirtlich, ja auf uns wirkt sie sogar ausladend. Dazu
noch die Piste, welche uns so richtig durchr�ttelt und der
nervenaufreibende Wind. Wir wollen einfach nur noch weg!
Tats�chlich erreichen wir gegen 18.00 Uhr, durchger�ttelt und verfroren
unser Ziel. Die Tankstelle in Tres Lagos. Vollgetankt finden wir sogar
einen kleinen Campingplatz, auf dem wir es uns, in windgesch�tzter
Umgebung, gleich gem�tlich machen. Na ja, was hei�t hier gem�tlich? Wir
verziehen uns auf die Toiletten, wo sich sogar eine Heizung befindet.
Nach einiger Zeit bekommen wir diese sogar in Gang und tauen unsere
Knochen auf. Unser einfaches aber wohlschmeckendes und hei�es S�ppchen
bereiten wir hungrig auf dem Kocher zu.
Coyhaique,
Chile - 28. November 1999
Das Wetter ist heute Morgen besser und wir sind froh, dass es nicht
regnet. Unsere Fahrt f�hrt uns an den Fjorden entlang, bis es ostw�rts
in die Berge geht. Obwohl auf Schotter unterwegs, macht es mir richtig
Spa� zu fahren, da die Landschaft so herrlich ist. Zu unserer Linken
entdecken wir den h�ngenden Gletscher von Queulat und weiter schl�ngeln
wir uns die Serpentinen hinauf, herrlich umgeben von den schneebedeckten
Spitzen der umliegenden Berge. Auf dem Pass haben wir einen
hervorragenden Ausblick auf das breite Tal, welches noch vor uns liegt.
Es sieht aus, als w�re ein Wald in der Sumpf- und Seenlandschaft
verschwunden. Kaum zu z�hlende Wasserf�lle ergie�en sich in die vielen
Fl�sse die unseren Weg auf der Carretera Austral st�ndig begleiten.
Selten kommt uns ein Fahrzeug entgegen, so dass wir die Sch�nheit der
Landschaft uneingeschr�nkt genie�en k�nnen.
Die Piste fordert ihren Tribut und so bleibt Ralf mit einem Plattfu�
irgendwo im "Nichts" liegen. Wir sind schon im Reifenflicken ge�bt und
so kann es nach einer halben Stunde weitergehen. Die Chilenen sind dabei
diese Strecke auszubauen, zum Teil ist sie so grob geschottert, dass ich
den Lenker ganz fest in die Hand nehme, um meine Spur zu ziehen. Von
weitem sehe ich �berall bunte Flecken in der Landschaft und beim
N�herkommen entdecken wir riesige Fl�chen mit blauen, wei�en und pinken
Lupinen. Ich muss ein Foto nach dem anderen schie�en. Bis nach Coyhaique
begleiten uns nun diese sch�nen Kerzenblumen.
Doch Ralf hat andere Probleme, denn seine T�n�r� will nicht so richtig
und so spuckt und stottert sie vor sich hin. Mit jedem Kilometer wird es
schwieriger und aus dem Auspuff knallt und feuert es f�rchterlich. Mit
viel Gef�hl in der Gashand steuert er sein Gef�hrt bis in den n�chsten
Ort, wo wir eine nette Hospedaje finden. Im Garten, zwischen den
Kirschb�umen inspiziert Ralf das Motorrad dann etwas genauer und glaubt
den Fehler gefunden zu haben. Daf�r hat er sich wahrlich die leckeren
Kirschen aus dem Garten verdient.
Tres
Lagos, Argentinien - 04. Dezember 1999
Dank der handgezeichneten Karte unseres japanischen Freundes Keiji
haben wir keinerlei Schwierigkeiten mit der Orientierung auf dem gr��ten
und h�chstgelegenen (3.660 m �.N.) Salzsee der Welt, der 3/4 des Jahres
unter Wasser steht. Am Abend zuvor haben wir noch zwei Benzinkanister
und 20 Br�tchen als eiserne Reserve gekauft, falls es auf der ca. 600
Kilometer langen Strecke, nach San Pedro de Atacama in Chile, keine
Versorgungsm�glichkeiten geben sollte. Das Fahren auf dem
ber�hmt-ber�chtigten Salzsee ist nach all den Schlagloch- und
Wellblechpisten eine wahre Wohltat. Wir k�nnen 100Km/h �ber den v�llig
trockenen Salzsee gleiten und glauben zu fliegen. Erinnerungen an
deutsche Autobahnen werden wach, w�re da nicht das st�ndige Knirschen
unter den R�dern. Auch die bizarren Felsformationen am Horizont lassen
uns ins Schw�rmen geraten.
Pl�tzlich taucht vor unseren Augen ein komplett aus Salz gebautes Hotel
auf, welches wir nat�rlich n�her inspizieren. Wirklich toll und einmalig
ist dieser Bau gestaltet und wirklich alles ist vom Besitzer aus Salz
erschaffen worden. Allerdings einige Preisklassen zu hoch f�r unseren
Geldbeutel, au�erdem haben wir noch gen�gend Zeit bis zum
Sonnenuntergang, also folgen wir den Beschreibungen Hirotos und gelangen
auf die, mitten im Salzsee gelegene, Insel Incawashi. Diese Insel bietet
sogar einen Campingplatz und simple Versorgungsm�glichkeiten, da sie von
allen Jeeptouren angefahren wird. Wir entschlie�en uns die Isla
Pescadero anzusteuern um dort einen geeigneten Schlafplatz zu finden.
Dort sind wir f�r uns alleine und genie�en die wahnsinnige und schon
unheimliche Stille. Schnell haben wir am "Strand" einen Lagerplatz
ausfindig gemacht, bauen unser Zelt auf und bereiten uns auf die kalte
Nacht vor. Bevor es dunkel wird erkunden wir die Insel und klettern die
schroffen Felsen hinauf. Von hier oben wirkt der Salar de Uyuni wie eine
wei�e Wolkendecke und die Inseln wie Bergspitzen, die aus dieser Decke
hervorschauen. Ralf l�uft zu den Motorr�dern und ich warte auf dem
Felsvorsprung um Fotos zu schie�en, w�hrend Ralf auf seiner T�n�r� dem
Sonnenuntergang entgegen fliegt. Welch ein Anblick, so surrealistisch
und doch wahr zugleich. Ralf erz�hlte mir sp�ter, dass er sich noch nie
so frei, wie in diesem Moment gef�hlt habe!
Schnell wird es nun dunkel und so schmei�en wir durchfroren das
Lagerfeuer mit Kakteenholz an, bereiten unser Abendessen zu und w�rmen
uns an den lodernden Flammen. Bevor wir uns in die warmen Schlafs�cke
verkriechen, betrachten und bewundern wir den faszinierenden
Sternenhimmel, der sich nicht nur �ber unseren K�pfen, sondern von
Horizont bis Horizont ausbreitet.

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